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Unruhe im Getreidebau im Burgenland



Nach einem kurzen Aufatmen im vergangenen Jahr sind die Getreidepreise seit Jahresbeginn im rasanten Sinkflug, während gleichzeitig die Produktionskosten auf weiterhin hohem Niveau bleiben. Die hohen Kosten sind durch die viel zu niedrigen Erlöse nicht mehr zu stemmen. Die folgenschweren Auswirkungen bringen wichtige land- und forstwirtschaftliche Sparten – vor allem den Getreidebau – in eine enorme Schieflage.


Um die Versorgung der Entwicklungsländer mit Getreide sicher zu stellen, wurden „Solidaritätskorridore“ eingerichtet, über welche die Getreide, Mais- und Sojalieferungen aus der Ukraine dorthin gelangen sollten. Bei dieser Regelung hat man sich aber keine weiteren Gedanken zu möglichen Marktverwerfungen und weitreichenden Preisverzerrungen gemacht. Die Störung der Getreidemärkte, aber nicht nur dieser, hat massive Auswirkungen auf den heimischen Markt, vom Landwirt bis zum Agrarhandel. „Die Solidaritätskorridore wurden von der EU eingerichtet, um Regionen in Afrika und Asien mit Getreide zu versorgen. Daher sollen Agrarprodukte aus der Ukraine auch zielgerichtet in diese Regionen geliefert werden. Wir sind solidarisch mit der Ukraine, unsere Bäuerinnen und Bauern dürfen aber nicht die Zeche zahlen. Wir fordern von der Europäischen Kommission, dass Getreidetransporte, die aus der Ukraine stammen, versiegelt werden", betont LK-Präsident Nikolaus Berlakovich bei einem Pressegespräch gemeinsam mit Kammerrätin Maria Portschy, Vorsitzende des Pflanzenbauausschusses in der Landwirtschaftskammer.


Im Burgenland werden aktuell 56.600 Hektar Getreide bewirtschaftet. 304.326 Tonnen Getreide wurden laut Statistik Austria 2023 im Burgenland geerntet. „Der Getreideerzeugerpreis war im Vorjahr eine positive Ausnahme. Momentan bekommt ein konventioneller Betrieb für Getreide rund 30 bis 50 Prozent weniger und ein BIO-Betrieb sogar fast 50 Prozent weniger Geld für sein Getreide als im Vorjahr. Die Preise für Betriebsmittel wie Treibstoff und Dünger sind leider nicht gesunken. Durch die Marktverwerfungen von ukrainischem Getreide bleiben die Lager unserer Bäuerinnen und Bauern voll und die Menschen in Afrika und Asien verhungern“, hebt Portschy hervor.


Strengere Kontrollen und Nachverfolgbarkeit


Wie viel Getreide tatsächlich in Österreich bzw. im Burgenland landet oder gelandet ist, kann nicht genau beziffert werden. Es hat aber maßgeblich zum Preisverfall beigetragen. „Deshalb hat die Burgenländische Landwirtschaftskammer bereits im Juni – mittels einer Resolution - Maßnahmen vorgeschlagen und eingefordert. Hauptforderung war und ist die Sicherstellung der Nachverfolgbarkeit von Transitware ukrainischen Ursprungs für einen Bestimmungsort in Drittstaaten“, erklärt Portschy. „Die Lage im Getreidebau im Burgenland ist sehr angespannt. Wir wollen, dass das Getreide dorthin gelangt, wo es zum Überleben gebraucht wird und nicht auf dem heimischen Markt hängen bleibt“, so Berlakovich und merkt an, dass bei den Importen nach Europa die Ukraine deutlich zugelegt hat: bei Weizen um das 15-fache und bei Mais um das doppelte.


Die Burgenländische Landwirtschaftskammer fordert von der Europäischen Kommission:

Getreide-, und andere Agrartransporte aus der Ukraine nur im Zuge des Solidaritätskorridors. Wir fordern, dass die Transporte versiegelt werden und auch, dass es strenge Rückstandskontrollen gibt!


Die Fakten:


• Aufgrund hoher Transportkosten in die Entwicklungsländer drückt günstige Ware auf unsere Märkte, anstatt dass diese in die Entwicklungsländer des globalen Südens verkauft werden. Dies muss eingestellt werden!


• Verschärft wird die Situation durch das im Juli 2023 ausgelaufene Schwarzmeerabkommen, über das ukrainische Ware bisher über das Schwarze Meer exportiert werden konnte.


• Aufgrund des Wegfalls dieser Route wurde versucht, alternative Transportkorridore auszubauen.


• Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig forderte beim Informellen Agrarrat in Spanien einen Ausbau der Transportkapazitäten entlang der Transitrouten und in den EU-Häfen sowie ein effektives Monitoring zum Schutz der heimischen Produzenten.


• Die EU-Kommission muss einen streng kontrollierten Weg für ukrainischen Mais, Soja und ukrainisches Getreide finden, damit dieses direkt in den Entwicklungsländern ankommt. Die heimischen Bäuerinnen und Bauern dürfen nicht weiter belastet werden.


• Auch die Behörden sind gefordert, Rückstandskontrollen auf demselben Niveau wie bei heimischer Ware durchzuführen.

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